Ärztliche Fernbehandlung – Diagnose über Video, Telefon & Chat

Aerztliche Fernbehandlung von Hämophilie A

Eine ärztliche Behandlung nur über Video oder Telefon – bietet sie die gleiche Qualität wie ein Arztbesuch? Dieser Frage geht ein Pilotprojekt für Privatpatienten in Baden-Württemberg nach. Das Projekt erlaubt erstmals, dass Patienten ihre Diagnose und Behandlung ausschließlich auf Grundlage einer Ferndiagnose erhalten. Bislang war diese Art der Behandlung in Deutschland verboten. Aber wie funktioniert so eine Diagnose über Video, Telefon und Chat? Wird das Projekt „Ärztliche Fernbehandlung“ in Zukunft auch auf Kassenpatienten und andere Bundesländer ausgeweitet?

 

Projekt „Ärztliche Fernbehandlung“ für Privatpatienten in Baden-Württemberg angelaufen

Seit Ende 2017 ist die Ferndiagnose in Baden-Württemberg erlaubt – allerdings nur im Rahmen eines Pilotprojektes. Privatversicherte haben nun die Möglichkeit, ihren Arzt am Telefon oder mit Hilfe einer Handy-App zu kontaktieren. Der Arzt darf daraufhin eine Diagnose über Video, Telefon oder Chat stellen und die Behandlung des Patienten einleiten. Gleichzeitig findet auch eine wissenschaftliche Evaluation statt: Dadurch wird geprüft, ob Patienten bei einer ärztlichen Fernbehandlung die gleiche Behandlungsqualität erhalten wie beim Besuch in Arztpraxen oder Kliniken. Außerdem überprüft ein Mitglied der Landesärztekammer als sogenannter „verantwortlicher Arzt“ folgende Aspekte: Wird bei der Ferndiagnose die ärztliche Berufsordnung beachtet? Und sind Patientensicherheit und der Datenschutz gewährleistet?

 

Ferndiagnosen: Was ist verboten?

Bislang ist in Deutschland die ausschließliche ärztliche Fernbehandlung verboten. Das heißt nicht, dass es verboten ist, Untersuchungsergebnisse am Telefon bekanntzugeben. Aber der Arzt darf keinen Patienten telefonisch beraten, der noch nicht in seiner Sprechstunde war. Eine Beratung per Telefon ist nur unter bestimmten Umständen und vor allem nur bei Bestandspatienten erlaubt. Und auch dann darf der Arzt während des Telefonats keine Verdachtsdiagnosen stellen – so entschied das Sozialgericht in München. Sobald ein Patient wegen des Telefongesprächs auf einen Arztbesuch verzichtet, ist dies laut Urteil als verbotene ärztliche Fernbehandlung zu werten.

Heute sind bereits weitere Projekte zur Fernbehandlung geplant und beantragt. Diese haben zum Beispiel das Ziel auch gesetzlich Versicherten den Zugang zur Diagnose über Video, Telefon und Chat zu ermöglichen. Denn die ärztliche Fernbehandlung könnte eine gute Ergänzung darstellen: Gerade in ländlichen Gebieten, wo es schon jetzt oder zukünftig zu Engpässen in der ärztlichen Versorgung kommt.

 

Ärztliche Fernbehandlung: Abschaffung des Verbots in Planung

Auch die Bundesärztekammer reagiert auf die fortschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen: Beim Ärztetag im Mai 2018 soll ein Antrag zur Aufhebung des Fernbehandlungsverbots gestellt werden. Die Musterberufsordnung soll dann eine neue Formulierung enthalten. Diese besteht darauf, dass der persönliche Kontakt zum Patienten immer noch Standard bleibt. Aber sie sieht vor, dass in begründeten Ausnahmefällen eine Ferndiagnose möglich ist. Dabei besteht allerdings eine besondere Sorgfaltspflicht des behandelnden Arztes. Auch ein Aufruf, die Diagnose über Video, Telefon und Chat nicht zum Geschäftsmodell zu machen, soll enthalten sein. Die Genehmigung der ärztlichen Fernbehandlung wird dann allerdings nicht – anders als in Baden-Württemberg – an eine verpflichtende strukturierte Evaluation gebunden sein. Falls der Vorstand der Bundesärztekammer der Formulierung zustimmt, wird diese beim Ärztetag 2018 vorgelegt. Dort wird dann entschieden, ob die Ferndiagnose bald zum Alltag für Ärzte und Patienten wird.

 

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