Fliegen mit Hämophilie A

Fliegen mit Hämophilie A

Ich wollte Euch heute einmal kurz schildern was mir am Flughafen passiert ist. Ich musste beruflich nach England und flog deshalb für 3 Tage dort hin. Im Vorfeld der Reise hatte ich natürlich geplant, wieviel Präparat ich mitnehme. Des Weiteren hatte ich bei der Fluglinie das Hin- und Rückflug-Ticket so gebucht, dass ich auch das Präparat als zusätzliches Handgepäck mit ins Flugzeug nehmen durfte. Ehrlich gesagt war es mir zu unsicher, das teure Medikament als Gepäck aufzugeben. Einerseits gehen Gepäckstücke ja auch regelmäßig verloren, andererseits wollte ich auch nicht, dass etwas kaputt geht. Schließlich werden die Koffer ja teilweise recht rabiat behandelt.

Bilder machen vom Präparat

Als ich den Flug buchte, konnte ich auch Auskunft über eventuelle Medikamente geben, die ich mitnehmen wollte. Das tat ich, als jemand der nicht viel Erfahrung mit Fliegen hat, ganz selbstverständlich. Da es sich aber nun mal nicht um alltägliche Medikamente handelte, musste ich plötzlich gegenüber der Airline im Detail schildern aus welchen Bestandteilen das Medikament besteht. Ich musste detaillierte Angaben machen zu den verwendeten Spritzen, Tupfern, Nadeln etc. des Behandlungssets. Sogar Bilder musste ich per E-Mail an die Airline schicken, damit sie auf jeden Fall wussten, wie alles aussieht. Ich bekam die Antwort, dass jetzt alles geregelt sei und man mir einen guten Flug wünsche.

Bescheinigung vom Hämophilie-Zentrum

Zusätzlich zu diesen ganzen Daten im Vorfeld, hatte ich noch ein Schreiben dabei, welches ich von meinem Hämophilie-Zentrum ausgestellt bekommen habe. Dieses bescheinigte mir in verschiedensten Sprachen, dass es sich bei den mitgeführten Medikamenten wirklich um Medikamente handelt, die mitunter lebenswichtig sein können. Ich ging also davon aus, bestens vorbereitet zu sein und an alles gedacht zu haben.

Wollen Sie Drogen schmuggeln?

Los ging es am Flughafen in Deutschland. Kein Problem, Gepäck wurde kontrolliert, das Schreiben angeschaut und so flog ich nach England. Auch dort bei der Ankunft ein ähnliches Verfahren. Als ich dann aber wieder im England abfliegen wollte, stellte man beim Schalter der Airline plötzlich alles in Frage. Mein Schreiben wurde direkt ignoriert und es kam der Verdacht auf, dass ich Drogen transportieren würde. Das hieß dann, dass die einzelnen Verpackungen meines Präparats in kleine Beutel gepackt wurden. Diese wurden dann an ein Gerät angeschlossen, welches die Luft ansog um festzustellen, ob Partikel von Drogen in der Luft waren. Es konnte logischerweise nichts nachgewiesen werden aber ich hatte dennoch ein mulmiges Gefühl. Die ganze Aktion hat dann auch über eine halbe Stunde gedauert und irgendwann bekam ich auch etwas Panik, den Flieger zu verpassen. Zum Glück ist das dann aber nicht passiert. Es zeigt aber, was einem alles passieren kann, gerade wenn die Medikamente Pulver in Flaschen und doch keine einfachen Tabletten sind.

Medikamente? Nein, das sind Kekse!

Lustige Anekdote am Rande. Ich brachte noch Kekse für meine Familie mit und nach der Aktion bekamen die Airline-Mitarbeiter die Keksdose in die Hand. Relativ grimmig wurde ich gefragt was denn jetzt noch in der Dose sei. Ich sagte Kekse und konnte ohne Weiteres die Dose wieder einpacken. Vielleicht sage ich nächstes Mal gleich „das sind Kekse in meinem Handgepäck“ anstatt Medikamente, dann klappt es wahrscheinlich besser bei der Kontrolle.

Erfolgreiches Fliegen wünscht Euch

Euer Sven

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