Irrtümer zu Sport mit Hämophilie A

Irrtümer zu Sport mit Hämophilie A

Sport und Hämophilie A passen nicht zusammen? Das ist ein Irrtum! Denn die Annahme, dass Menschen mit der Blutgerinnungsstörung grundsätzlich keinen Sport treiben können oder sollen, ist ein Mythos. Er basiert auf einer veralteten medizinischen Empfehlung aus den 1960er-Jahren – die dazu führte, dass die Irrtümer zu Sport mit Hämophilie A lange kursierten. Doch inzwischen raten Ärzte zum Gegenteil.

 

Irrtum: Sport und Hämophilie A geht nicht

Noch vor einigen Jahrzehnten galt für Menschen mit Hämophilie A die Devise: Besser schonen, als sich in Gefahr zu bringen. Durch einen passiven Lebensstil wollte man das Verletzungsrisiko der Gelenke möglichst gering halten. Außerdem galt die Meinung, dass bei Hämophilie A Sport weder zum Vorbeugen von körperlichen Einschränkungen noch zum Wiederherstellen der körperlichen Leistungsfähigkeit geeignet sei. Der Ansatz hat sich inzwischen als falsch, ja sogar kontraproduktiv erwiesen: Zahlreiche Betroffene hielten sich an die Empfehlung und waren sportlich inaktiv. Die Folgen sind geringere Ausdauer, Muskelkraft und Koordinationsfähigkeit.

 

Sporteln erwünscht

Heute haben Ärzte erkannt, dass Menschen mit Hämophilie A durchaus Sport treiben können. Das Blutungsrisiko ist durch Sport nicht oder nur geringfügig erhöht, weshalb Wissenschaftler die positiven Auswirkungen von Sport als höher einstufen als die Risiken. Vorausgesetzt Du erhältst die richtige Behandlung, hast Du zahlreiche Möglichkeiten, Dich zu bewegen. Zur Wahl steht eine große Palette an Sportarten wie zum Beispiel:

  • Aquajogging
  • Aquagymnastik
  • Badminton
  • Rudern
  • Gerätetraining
  • Golf
  • Radfahren
  • Schwimmen
  • Segeln
  • Tai Chi
  • Tanzen
  • Walking

Doch egal für welche der aufgeführten Aktivitäten Du Dich entscheidest, nicht jede ist per se gesund.  So kann Brustschwimmen wegen des Beinschlags bei Einschränkungen im Knie Probleme bereiten. Du solltest also immer Deinen individuellen Gesundheitszustand als Maßstab nehmen. Grundsätzlich stehen Dir jedoch viele Optionen offen. Nur bei Kontaktsportarten ist aufgrund der Verletzungsgefahr Vorsicht geboten: Karate, Rugby oder Boxen solltest Du also lieber nicht ausüben.

Auch die Teilnahme am Schulsport ist für Kinder mit Hämophilie A durchaus möglich. Je nach Ausprägung der Erkrankung können die Kinder in Absprache mit dem Arzt bei vielen Aktivitäten dabei sein. Das fördert nicht nur das Wohlbefinden, sondern sorgt auch dafür, dass sich die Kinder nicht ausgeschlossen fühlen.

 

Irrtum: Bei Einschränkungen keine Bewegung möglich

Sollte Deine Hämophilie A zu Einschränkungen wie etwa einer Arthrose in Knie oder Hüfte führen, kann Bewegung durchaus gut tun. Selbst mit Krücken oder im Rollstuhl ist es möglich, aktiv zu bleiben. In diesem Fall kann Dir Physiotherapie helfen, ebenso wie das Ausführen von Übungen, die Du von Deinem Physiotherapeuten gezeigt bekommen hast.

Sport ist also durchaus auch bei Hämophilie A möglich und kann sich förderlich auf Deine allgemeine Gesundheit, Lebensqualität und körperliche Fitness auswirken. Außerdem verbessert physische Aktivität nachweislich das Zusammenspiel von Muskeln und Gelenken (Propriozeption), Flexibilität, Knochendichte, Gangkoordination und Muskelkraft, was wiederum möglichen Verletzungen vorbeugen kann.

 

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Quellen:

Howell C. et al.: Sports participation recommendations for patients with bleeding disorders. Transl Pediatr. 2017 Jul;6(3):174-180. doi: 10.21037/tp.2017.04.07. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/51976/Haemophilie-Blutungsrisiko-durch-Sport-nur-leicht-erhoeht

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