Back to the Roots – Spontaner Urlaub mit Hämophilie A

Spontaner Urlaub mit Hämophilie A

In meinem ersten Blog Beitrag habe ich über einen langfristig geplanten Urlaub geschrieben. Der zweite von mir verfasste Beitrag berichtet über ein total überraschendes Erlebnis, welches mich am 24.03.2017 – dem Jahrestag von meiner Frau und mir – komplett sprachlos machte. Die Geschichte zeigt aber auch, dass man mit Hämophilie A durchaus kurzfristig verreisen und die Welt erkunden kann. Vorab möchte ich anmerken, dass ich eine Frau an meiner Seite habe, die manchmal mehr als spontan, verrückt und voller Ideen ist.

An dem besagten 24.03.2017 kam ich mit unserem jüngeren Sohn vom Fußball-Training nach Hause. Dort wartete nicht nur meine Frau mit den anderen zwei Kindern auf mich. Auch deren Schwester mit Anhang begrüßte mich. Darüber habe ich mich zwar gewundert, aber mir ehrlich gesagt nichts dabei gedacht. Für mich war dieser Freitagabend ganz normal, bis sich das Blatt wendete – zum Positiven.

Zu meiner Überraschung musste ich kurz das Wohnzimmer verlassen und wusste gar nicht warum. Die Zeit überbrückte ich im Zimmer unserer Jungs und schaute fern. Als ich ins Wohnzimmer zurückkam, stand die Familie um mich herum und im Hintergrund lief „You‘re always on my mind“ von Elvis. Aber warum eigentlich? Ich fragte ganz verwirrt: „Was soll das denn werden, wenn‘s fertig ist?“ Voller Aufregung richtete meine Frau ein paar sehr persönliche Worte an mich. Außerdem sah ich ein Silbertablett, auf dem ein Umschlag mit künstlichen Kleeblättern lag. Für mich als 1968 in Belfast geborenen Nordiren eine schöne Geste, aber warum eigentlich? Irgendwie irritierte mich das mit den Kleeblättern, aber die Antwort darauf kam schneller als gedacht.

 

Ready for takeoff

Während im Hintergrund ein typischer Nordirland-Song lief, öffnete ich den Umschlag. Ich traute meinen Augen nicht: Aus dem Umschlag holte ich zwei Flugtickets nach Belfast heraus und dazu die Buchungsbestätigung eines Hotels und die eines Mietwagens. Ich schaute auf das Abflugdatum und sah, dass es der 29.03.2017 sein sollte. Ich hatte also noch fünf Tage Zeit, alles in puncto Medikamente zu organisieren. Es stellte sich heraus, dass meine Frau schon Medikamente besorgt hatte. Den Rest bestellte ich und konnte diesen einen Tag vor dem Abflug noch abholen. Gedanken über ein Hämophilie-Zentrum in Nordirland machte ich mir aber nicht.

Am 29.03.2017 startete der für mich kurzfristige Kurztrip nach Nordirland – und das mit einer „alten“ Blutung im linken Sprunggelenk, aber das hielt mich von nichts ab: Faktor hatte ich gespritzt und genug davon im Handgepäck dabei.

 

Die Leichtigkeit des Seins

In Nordirland war ich mit meiner Frau jeden Tag unterwegs, auch sehr viel zu Fuß. Selbst den Berg mit seinem Scrabo Tower, der mich schon als kleiner Junge fasziniert hatte, erklomm ich. Es war ein Gefühl von Freiheit, von dort oben in die Weite blicken zu können: über das satte Grün der Wiesen, den kleinen Ort Newtownards, wo ich aufwuchs, und dazu der Blick auf die irische See. Und ich war mal wieder erstaunt über mich selbst und darüber, was mein Körper und meine Gelenke noch leisten können.

Spontaner Urlaub in Irland mit Hämophilie A

Obwohl ich weiterhin täglich Faktor spritzte, tat mir Tag für Tag das linke Sprunggelenk weh. Doch ich fühlte mich trotzdem rundum wohl. Und so sieht man mal wieder: Auch spontan und kurzfristig kann man mit Hämophilie A verreisen, die Welt erkunden und somit das Leben genießen.

Mein Wee-Land, wie wir Nordiren es umgangssprachlich nennen, sprich „Kleines Land“, sah ich nach langen 25 Jahren endlich wieder. Und das auch nur, weil ich mich trotz der Kurzfristigkeit dennoch gut vorbereitete und auch keine Angst hatte, es könne etwas schiefgehen. Man muss nur Mut haben und sich etwas trauen, dann ist fast alles möglich.

Weitere interessante Beiträge

Wie häufig sprichst Du mit Deinem Hämophilie-Behandler über Deine Therapie?
Bitte wählen Sie eine der Antwortmöglichkeiten abstimmen