Roadtrip nach Spanien – unser zweites Zuhause

Roadtrip nach Spanien

Eines Abends vor circa drei Jahren saßen meine Frau und ich gemütlich am Esszimmertisch und „sinnierten“ über Träume, Wünsche und Vorstellungen. Wir stellten fest: Es ist unser Wunsch, irgendwann einmal in Spanien – an der schönen Costa Blanca – leben zu wollen, aber das braucht eine gute Vorbereitung. Vielleicht sollte man vorher erst einmal etwas länger als „normal“ dort den Alltag, Land und Leute erleben.

Ich selbst kenne ja bereits das Gefühl, in Spanien zu leben. Denn von 1996 bis 1998 verbrachte ich bereits zwei Jahre dort. Und so kam uns die Idee, doch die Sommerferien 2015 in unserem geliebten Mil Palmeras – ein wunderschöner kleiner Ort an der Costa Blanca – zu verbringen. Die ganzen sechs Wochen wollten wir bleiben – mit allen drei Kindern und unseren zwei Rottweiler-Hündinnen. Einfach das Urlaubsfeeling in den normalen Alltag integrieren – das war unsere Devise.

 

Reiseplanung: Auto oder Flugzeug?

Gesagt – geplant! Wir checkten Flüge, den Transport der Hunde, durchdachten eine gemeinsame Autofahrt und auch das Mieten eines Wohnmobils. Aber alles in allem waren die Kosten immens hoch. Und dann kam MIR eine grandiose Idee! Ich sagte zu meiner Frau: „Hey, pass auf. Ich fahre mit unserem Auto da runter und nehme die beiden schwarzen Vierbeiner mit. Und Du kommst mit den drei Kids mit dem Flieger!“ Darauf sagte meine Frau: „Wie jetzt? Du allein 2.500 Kilometer mit dem Auto und den Hunden – und das mit Deinen Knochen! O Gott!“ Aber ich ließ mich davon nicht abbringen und unsere Planung begann. Innerhalb von vier Wochen waren Flüge gebucht, das Haus von Bekannten gemietet und wir erstellten einen super Vorbereitungsplan für die nächsten Monate – denn wir hatten gerade erst Oktober 2014.

Die Zeit rannte wie verrückt. Die Planung wurde noch intensiver und detaillierter und ich hatte mittlerweile auch alles mit meinem Hämophilie-Zentrum besprochen sowie Faktor und sonstige Medikamente vorbestellt. Mir war klar, dass ich auf der Fahrt und die ersten Tage in Spanien auf mich alleine gestellt sein würde – auch im Notfall. Aber ich hatte keine Angst, sondern freute mich darauf und wusste: „ Ich schaff das problemlos.“

 

2.500 Kilometer Fahrt alleine mit Hämophilie A

Ruckzuck war der 05.07.2015 da. An diesem Sonntag begann morgens um 5 Uhr MEIN Trip nach Spanien. Vor mir lagen 2.500 Kilometer Strecke, wunderschöne Landschaften und eine Menge Verantwortung. Aber für mich hieß es: „Der Weg ist das Ziel – auf geht’s!“ Faktor hatte ich prophylaktisch genug gespritzt, genug davon im Gepäck und genug Proviant war auch dabei.

Ich fuhr gemächlich durch Deutschland, erreichte gegen 15 Uhr Frankreich und legte genügend Pausen für mich und die Vierbeiner ein. Wir regenerierten uns und weiterging ‘s. Ich fühlte mich pudelwohl, mir fehlte nichts und nichts tat mir weh. Lyon begrüßte mich gegen 20 Uhr und ich hatte immer noch Power, fühlte mich komplett fit.

Und ich gab alles. Mein Körper ließ es zu und somit sah ich auch in der Nacht zu Montag um genau 0.03 Uhr das Schild: „Bienvenidos en Espana“ – Barcelona war also zum Greifen nah. Es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Ich hatte Gänsehaut pur und jetzt erst recht wollte ich mir, meiner Umwelt und Betroffenen zeigen: „Mit Hämophilie kann man vieles schaffen – man muss es nur richtig anpacken!“ Und so fuhr ich noch circa eine Stunde weiter und parkte bei Barcelona auf einem Rasthof – etwas Erholung für uns drei!

 

Am Ziel: Meine Gelenke haben super mitgemacht

Gegen 4 Uhr wach und los – noch etwa 800 Kilometer und ich bin am Ziel. Und genau das erreichte ich gegen 11.30 Uhr. Zwar war ich dann echt fertig, aber happy zugleich: „Ich hab‘s geschafft und meine Gelenke und der ganze Körper haben das super gerockt.“ Meine Belohnung? Eiskaltes Bier, Sommer, Sonne, Strand und Meer – was will man mehr?

Die Familie kam fünf Tage später, wir verbrachten sechs super Wochen und ich hatte kaum Beschwerden oder Schmerzen, trotz viel Bewegung und zahlreicher Trips, zum Beispiel nach Madrid, Barcelona und Murcia. Dem herrlichen Klima, dem Salzwasser und der Wärme sei Dank!!

Ende August begann meine Rückreise, und auch die meisterte ich ohne Wenn und Aber. Ohne Schmerzen und ohne Probleme. Ich war und bin stolz auf mich, so etwas geschafft zu haben, und kann nur sagen: „La vida loca! Das Leben ist verrückt – enjoy it!“

Hämophilie ist oft kein Grund, das Leben nicht genießen zu können.

 

Hast Du Fragen, Anregungen oder Kritik? Dann schreibe uns gerne eine E-Mail über das Kontaktformular. Wir melden uns schnellst möglich zurück.

Weitere interessante Beiträge

Wie häufig sprichst Du mit Deinem Hämophilie-Behandler über Deine Therapie?
Bitte wählen Sie eine der Antwortmöglichkeiten abstimmen